Impulsiv & verspielt: Nach seinen ersten Erfolgen als Drama-Pop-Artist startet der 29-jährige Artur Aigner alias ARAI den zweiten Teil seiner Album-Trilogie mit der neuen Single „Save me some“. Der Wiener Multi Instrumentalist schenkt uns epische Mystik und futuristische Klänge. Kurz: The Dark Side of Drama-Pop.
Interview: Elisabeth Patsios: Fotos: Anna Szalachy, Cherie Hannson
m4l: Du hast dein eigenes Musik-Genre geschaffen. Was ist Drama Pop?
ARAI: Es ist ein witziger Begriff, der mir einfach so eingefallen ist. Beim Googlen gab es dazu kaum Suchergebnisse. Da war ich erstaunt. Drama Pop vermittelt genau die Stimmung, die ich meinem ersten Album geben wollte. Das Drama steht für das Dramatische, das Theatralische und Überspitzte in der Musik; Pop einerseits für Popmusik, aber auch dafür wie unvermittelt das Drama aufpoppen kann. Zuerst ist es ganz ruhig und im nächsten Moment – BUMM! Dabei habe ich unterschiedliche Klänge vermischt. Klassische Musik, Musicalelemente und Radiomusik. In meinen Texten habe ich meine Teenagerliebesprobleme im Rückblick verarbeitet. Drama Pop ist das kleine Musical meiner Jugend.
Arai: „Ich bin obsessed davon, tolle Musik zu machen.“
Damit hast du gleich ins Schwarze getroffen und einen Vertrag mit Universal Music unterzeichnet.
Ursprünglich wollte ich das Drama Pop Album independent herausbringen. Als Universal zum ersten Mal Interesse gezeigt hat, kam es zu keinem Deal. Wir mussten länger verhandeln, bis sich beide Seiten einig waren. Für Newcomer ist es immer etwas schwierig und der Vertrag brachte viele Vorteile – zum Beispiel der finanzielle Hebel für die Umsetzung der Videos.
Deine Videos haben eine prägnante Bildsprache und könnten zum Begriff Drama-Pop besser nicht passen.
Ich hatte immer die Idee, die Videos zu meinen Songs zu einem großen Musical zusammenzuschneiden, aber dafür braucht es Ressourcen. Dank Universal konnte ich mit Robert Höller aus Salzburg zusammenarbeiten. Er ist stark von Wes Anderson inspiriert. Das ergibt visuell sehr witzige Videos, die auch total ernst sein können, aber in jedem Fall sehr ästhetisch sind. „Little Stupid Boy“ haben wir zum Beispiel in der Ernst-Fuchs-Villa in Wien gedreht. Zu sehen, wie gemeinsame Ideen so professionell umgesetzt werden, war eine absolut coole Experience für mich.
Kommst du aus einem musikalischen Elternhaus?
Meine Eltern haben nie ein Instrument gespielt. Ich bin im Auto mit meinem Gameboy oft auf der Rückbank gesessen und habe die Musik gehört, die meine Eltern gespielt haben. Im Gegensatz zu ihnen habe ich viel aktiver zugehört. Ich war tendenziell ein ruhigeres Kind, das eher beobachtet und lauscht.
Wann hast du begonnen dein erstes Instrument zu spielen?
Mit sieben Jahren habe mit Geigenunterricht begonnen, der mir von der Volksschule aus vorgeschlagen wurde. Ich hatte bis 14 voll Lust drauf. Bei der Geige war ich jung genug, sodass ich noch in den Unterricht gegangen bin. Später hat es mir Lust und Laune am Instrument verdorben. Schlagzeug und Klavier hatte ich nur kurz Unterricht, habe meine Fähigkeiten selbst verbessert und auch Gitarre habe ich mir selbst beigebracht.
Trotzdem die Musik immer deine Leidenschaft war, hast du vorerst einen anderen Weg eingeschlagen. Warum?
Nach der Matura 2014 habe ich begonnen zu studieren. Grafikdesign hätte mich interessiert, aber es war der Wunsch meines Vaters, etwas zu studieren, wo man später auch etwas verdient. Das habe ich auch getan mit zum Abschluss meiner Bachelorarbeit, doch am Ende haben mir vier Prüfungen gefehlt. Ich wünschte, ich könnte sagen, ich habe es fertig studiert. Corona ist gekommen, ein Jobangebot aus dem Bereich Marketing und plötzlich hatte ich wieder etwas Freizeit. Da habe ich beschlossen, es mit der Musik doch ernsthaft anzugehen und dann kam das Angebot von Universal Music. Seither bin ich vom Physikstudium beurlaubt 😉

© Fotos: Anna Szalachy, Cherie Hannson
Wie hat deine Familie auf die Kehrtwende reagiert?
Es war eine große Umstellung für meine Eltern. Sie sind nicht stockkonservativ und unterstützen mich. Doch sie sind sich bewusst, wie kompliziert die Welt heutzutage ist und kommen selbst aus Familien, wo es unüblich war, sich künstlerisch auszuleben. Da hat jeder immer einen handfesten Job gehabt. Wahrscheinlich hat es deswegen bei mir so lange gedauert, sonst hätte ich mich schon mit 18 auf meine Solokarriere konzentriert. Universal Music hat dann doch Eindruck auf meinen Vater gemacht und er hat sich daraufhin erstmals mit meiner Musik beschäftigt. Mittlerweile hören meine Eltern meine Musik auf Spotify.
Kannst du von der Musik leben?
Leider ist es noch nicht lukrativ. Eventuell muss ich mir wieder einen Nebenjob suchen, aber das ist okay. Als Musikproduzent mixe ich auch für andere Musiker. Seit Anfang des Jahres bin ich nicht mehr bei Universal und werde mein nächstes Album independent herausbringen.
Wann ist es so weit?
Am 5. Juli präsentiere ich meine neue Single „Save me some“. Ein guter Comeback-Song, der noch nicht alle Waffen auspackt. Das Album lässt noch ein wenig auf sich warten.
Führst du dein Drama Pop Konzept weiter?
Ich habe seit Jahren den Plan drei Alben zu machen – quasi eine Trilogie, die alle meine Charaktereigenschaften versinnbildlicht. Das nächste Album wird mehr meine technischen Skills zeigen. Ich setze auf eine Klangsynthese aus Dubstep, House, Drum´n Base und futuristische Sachen, die man so noch nicht gehört hat. Das vermische ich mit meinem Drama Pop, der dadurch um einiges darker, mystischer und um einiges epischer wird. Mehr Moll, weniger Dur. Quasi „The Dark Side of Drama Pop“.
Wie funktioniert dein Songwriting?
Ich sitze eher tagsüber an der Musik, vor ein paar Jahren war das noch anders. Im Moment arbeite ich daran, die Person zu werden, die um acht aufsteht, um halbneun am Computer sitzt und das kreative Schaffen grundsätzlich vom Privatleben trennt.
Was inspiriert dich?
Zuerst fokussiere mich auf die Musik, dann erst kommt der Text. Ich setze mich ans Klavier oder nehme die Gitarre und spiele einfach irgendetwas. Ich summe dabei oft in unverständlichem Pseudoenglisch. Das klingt etwas albern und wäre mir peinlich vor anderen Leuten, daher funktioniert dieser Prozess am besten in meinen vier Wänden mit einem Memo dazu, um die spontan improvisierten Inhalte festzuhalten. Manchmal hat man auch einen Satz im Kopf und überlegt sich, wie man daraus einen Refrain machen könnte.
Wie fühlt es sich an, die eigenen Songs im Radio zu hören?
Es fühlt sich super an! Als damals Radiomoderatoren zum ersten Mal über mich und meine Songs gesprochen haben, war das tatsächlich ein bisschen surreal für mich.
Spielen sie heute ein Lied von mir im Radio, wo ich mir weniger Mühe gegeben habe, ist das doppelt witzig. Denn ich hatte ja viele Jahre immer wieder meine Musik ans Radio geschickt. Da sickert man eben nicht gleich durch.
Wie geht man mit diesen Durststrecken um?
Wenn man gar keine Rückmeldung kriegt, nimmt man das schnell persönlich und ist angefressen. Wird man dann gespielt, ist alles verziehen.
Arai: „Am Ende des Tages bin ich Musikkünstler. Das ist der Grund, warum ich oft keine Lust auf Social Media habe.“
Wie wichtig ist dir die Präsenz in den Sozialen Medien?
Ich bin ein Mensch, der, wenn er etwas angeht, es auch gescheit machen möchte. Doch für den Tiktok Channel und Instagram Reels braucht es wirklich viel Zeit. Diese ständige Selbstvermarktung baut Druck auf und man vergleicht sich ständig mit anderen Leuten. Doch es bringt halt leider wahnsinnig viel – mehr Streams, mehr Bekanntheit bei Promoagenturen ergo mehr Konzerte und Besucher. Es ist eh verrückt, dass man so ein effektives Marketingtool quasi gratis zur Verfügung hat. Doch am Ende des Tages bin ich Musikkünstler. Und über die Jahre komme ich zur Erkenntnis gekommen, dass mir die Musik wichtiger ist als dieses Drumherum. Ich glaube daran, dass wenn du ein gutes Stück Kunst in die Welt setzt, es auf natürliche Art seine Hörer finden wird.
Magst du es, auf der Bühne zu stehen?
Singen, ein Instrument spielen und gleichzeitig vor Leuten stehen und dabei nicht ausschauen wie ein Idiot, ist eine Herausforderung. Aber man wird deutlich besser, je mehr man es übt.

© Fotos: Anna Szalachy, Cherie Hannson
Hast du Lampenfieber?
Eine gesunde Nervosität ist immer vorhanden. Mal trete ich alleine auf, mal mit Band.
Gemeinsam haben wir immer Spaß auf der Bühne und wenn etwas Peinliches passiert, passiert es eben. Einfach weitermachen. Es bleibt einem eh nix anderes übrig. Außerdem gibt es nicht nur Leute, die in so einem Fall über dich lachen, sondern viel mehr solche, die sich dann denken: Hoppla, alles gut bei ihm?
Wie wichtig ist dir die individuelle Mobilität?
Ich fahre gerne mit dem Auto, habe von meiner Großtante einen silbernen VW Golf aus 2007 in einem super Zustand bekommen. Ich mag das Gefühl zu beschleunigen, bin aber kein offensiver Fahrer. Ich bin aber eher ein Stadtfahrer, weil mich eine schnurgerade Autobahn auf die Dauer müde macht. Trotzdem fahre ich nicht oft. In Wien bin ich meist mit meinem E-Roller unterwegs.
Deine absoluten Don´ts beim Autofahren?
Rechts überholen. Grundsätzlich rege ich mich nicht über andere Autofahrer auf, aber das finde ich doch etwas riskant. Auf die Radfahrer muss man in Wien echt aufpassen, die schießen raus wie nichts.
Hast du den Führerschein beim ersten Anlauf geschafft?
Die Praxis schon, aber mit viel Glück. Hätte ich die Frage der Fahrschülerin vor mir bekommen, wäre ich verloren gewesen. Sie musste erklären, wie man einen Reifen wechselt. Ich dachte mir nur, um Gottes willen, wenn sie die Frage nicht beantworten kann, bin ich der Nächste und ich hatte keinen blassen Schimmer davon. Bei der Theorie musste ich leider ein zweites Mal antreten.
Weißt du mittlerweile, wie man einen Reifen wechselt?
Ja, aber ich habe es noch nie anwenden müssen. Dafür funktioniert das Anfahren mit Handbremse auf einem steilen Stück immer noch nicht ganz. Ich hoffe dann immer, dass gerade niemand hinter mir steht.
Wen hättest du gerne bei einer langen Autofahrt an deiner Seite?
Tim Cook von Apple ist sicher ein interessanter, kluger Mann, dem ich gerne viele Fragen stellen würde. Tendenziell weniger meinen Vater. Ich liebe meinen Vater, aber er kritisiert meinen Fahrstil jede Sekunde.
Info
ARAI
Name: Artur Felix Aigner
Wohnort: Wien
Genre: Drama Pop
Debüt-Album: Drama Pop (2023)
Aktuell: Single-Release „Save me Some“ (2024)
Nominierungen: zwei Nominierungen FM4 Awards (2023 / 2024)
Instrumente: Geige, Gitarre, Schlagzeug, Klavier
Termine 2024: 06.07. Intertonale Festival Scheibbs / 04.10. PPC, Graz
